Montag, 29. Dezember 2008

Never say never

Ich glaube, wenn ich irgendwelche Regeln in der Mode akzeptieren würde (ich denke aber, es gibt keine), dann wohl nur die "Sag niemals nie". Ich hätte schwören können, dass ich nie im Leben das Leoparden-Muster tragen werde. Und? Nachdem ich diese wunderschönen Strumpfhose gesehen habe, verschwand meine persönliche modische Wildkatzen-Phobie wie ein zarter Nebel in der Sonne.

Jetzt stelle ich mir nur eine einzige Frage: Warum habe ich mir nur ein Paar davon gekauft???






P.S. Die irgendwann mal gehassten Leggings trage ich ja auch schon wieder. Also...

Dienstag, 16. Dezember 2008

Kann man die Kunst auch anziehen?

Im Frühling dieses Jahres war ich im Marmottan Museum in Paris. Es ist eine kleine Villa mit einer der größten Sammlungen der Bilder von Claude Monet. Ich kannte natürlich seine Arbeiten von früher, aber gar nicht viele und er war für mich nur einer aus der Reihe vielen anderer Impressionisten. Als ich aber die gesamte Ausstellung gesehen habe, alles direkt vor den Augen, voller Leben und Farbe, dann habe ich mich in Monet's Arbeit verliebt. Ich fand faszinierend, wie er gemalt hat - seine ständige Wiederkehr zu denselben Motiven, seine Versuche trotz der Augenkrankheit weiter zu malen, ohne richtig sehen zu können, was genau er auf der Leinwand geschafft hat. Ich habe vieles in Erinnerung behalten, vor allem sind mir drei Bilder von ihm ans Herz gewachsen, die er, schon stark von dem grauen Star verhindert, gemacht hat und nicht mehr verkaufen konnte. Diese Bilder waren so bunt, so voller Kraft und irgendwie Wut, dass sie mir fast schon laut schreiend vorkamen.

Später in Deutschland habe ich beim Shoppen mit einer Freundin etwas Merkwürdiges erlebt. Wir waren bei H&M und ich hatte plötzlich das Gefühl, etwas Bekanntes gesehen zu haben. Es war ein Kleid, der Stoff, aus dem er genäht wurde, sah genau so wild und wütend aus, wie die Bilder von dem halbblinden Franzosen.

Meine Freundin verglich das Kleid mit dem Wischlappen einer Putzfrau, ich aber musste es unbedingt anprobieren und war sofort begeistert.

Da ich aber zu dem Zeitpunkt ziemlich knapp bei Kasse war, fand ich, dass H&M mit 49,90 € etwas zuviel für ein Baumwollkleid verlangt. Die Hoffnung machte mir nur das "mein" Kleid abwertende Urteil meiner Freundin: mehrere Kundinnen haben es wohl genau so gesehen - als etwas merkwürdig und einem dreckigen Stück Stoff ähnlich aussehendes Ding. Daher hat mein Kleid bis zu den Sales auf den Kleiderbügeln im Geschäft überlebt. Jetzt kann ich my own personal Erinnerung an Monet für 24,95 € tragen. Der Sommer muss nur schnell kommen - die organische Baumwolle ist bei den jetzigen Temperaturen nicht gerade das Beste, was man anhaben kann.


H&M Organic Cotton

Das Foto von einem der 3 meiner Favoriten habe ich doch gefunden. Mit großer Vorsicht vor den Museumsangestellten und daher möglichst heimlich aufgenommen, ist es verzerrt, verschwommen und sehr weit von der Realität entfernt, aber als Beweis ist doch hier zu besichtigen.



http://www.marmottan.com/

Donnerstag, 14. August 2008

Manchmal bleiben einige Bilder im Kopf hängen, fast selbständig, irgendwo so tief, dass man sich an sie nicht mehr zu erinnern glaubt. Und dann später, ganz unerwartet, tauchen diese scheinbar vegessenen Bilder erneut auf und - Bah! - man erkennt, wie sehr sie einen doch inspiriert haben.

Niemand weiß, was genau bei einem so hartnäckig hängen bleibt. Und welche Form diese Inspiration am Endeffekt annimmt. So passiert es mir zum Beispiel, wenn ich im Februar die Fotos von den Fashion-Weeks für die noch weit entfernte Herbst-Season sehe, unter den "favorit"-Siegel an meinem USB-Stick speichere und dann aber, Monate später, doch ganz andere Sachen trage, als die, die ich mir vorgenommen habe. Oder glaube zumindest, dass mein Geschmack sich so geändert hat, dass die Favoriten aus dem Februar für mich gar nicht mehr interessant sind.

Dann aber, beim Blättern durch die unzähligen Notizen, Fotos, Zeichnungen sticht ins Auge ein Look, in dem ich die heutige mich erkenne und merke, dass einige charakteristischen Dinge sich in meinen eigenen Outfits doch immer und immer wiederholen.

Alles ändert sich. Neues wird heiß erwartet, bewundert, geliebt, gewollt - bei dem ersten Blick zumindest. Dann geht es mit der unsichtbaren Arbeit los - das Gesehene wird in den Gedanken angenommen, angepasst, an sich selbst zugeschnitten, oder doch verstoßen, falls nichts hilft, um sich mit irgendeinem Schnitt oder einer Farbe anzufreunden. Manchmal aber, trotz der Begeisterung vom Neuen, liebt man das Alte so sehr, dass kein Abschied oder Austausch denkbar wäre. So verschmelzen die bereits vertrauten und die neuen Flammen miteinander und dann entsteht etwas eigenes und tragbares nur für die oder denjenigen, in dessen Kopf diese ganze Bearbeitung statt fand.

Ich glaube, genau an dieser Mischung aus modischen alten Bekannten und neuen Freunden erkennt man jemanden, der mit der Mode nicht bloß immer eine It-Person sein möchte. Wenn man trotzt der Liebe zum ständig Wechselndem an der Mode, zu ihrer ununterbrechenbaren Erneuerung, dem Streben nach Neuem und Noch-nie-gesehenem und wiederum ewiger Rückkehr in die vergangenen Zeiten - trotz alldem (aber auch mit seiner Hilfe) an der ersten Stelle sich selbst zum Audruck bringen möchte.

Ist es ein Stil? Ich würde es gern so sehen.