Mittwoch, 10. Februar 2010

Pourquoi pas?

Es gibt nicht sehr viele Kleidungsstücke, die ich prinzipiell nicht trage. Zum Beispiel eine Hippie-Tunika. Oder ein Holzfällerhemd. Oder die T-Shirts. Ja, die T-Shirts! Ganz normale, von vielen geliebte, unkomplizierte T-Shirts aus Baumwolle. Warum? Sie stehen mir überhaupt nicht. Die Ärmel enden meistens genau an den Stellen, wo meine Arme am dicksten sind. Ist das Shirt locker geschnitten, oder schlimer noch, oversized, verliert mein Körper jede Form und Siluette. Meine Taille verschwindet darin ohne eine einzige Spur zu hinterlassen. Falls ich mir ein enges T-Shirt anziehe, langweilt mich die mit der Baumwolle bedeckte Brustkorblandschaft bis zum geht nicht mehr. Die Seele schreit nach Aktion, zu sehen ist aber nur eine Menge Stoff. Und es liegt nicht an der Körbchengröße - an Pamela Anderson oder Katie Price finde ich auch gar nichts spannendes, wenn sich die beiden mit einem T-Shirt kleiden.

Aber! Alber Elbaz, der Chefdesigner des Hauses Lanvin, hat es geschafft, dass sich starke Zweifel in mein kompromissloses Herz eingeschlichen haben. Monsieur Elbaz ist ein Künstler - er nimmt einfach ein unspektakuläres Kleidungsstück, kritzelt ein paar Siluetten darauf, beschmückt das ganze mit Pailletten und Stoffresten - et voilà! Es gibt kein langweiliges T-Shirt mehr, sondern ein charmantes Etwas mit einer süßen Schleife. Hier trägt Chloe Sevigny zwar kein T-Shirt, eher ein Tanktop mit Augen, aber mit dem Bild bekommt die Richtung, in die meine Gedanken gehen, sozusagen ein Gesicht.



Schon lange wollte ich auch etwas in der Art machen, das Problem lag nur an dem richtigen Shirt, das ich nicht finden konnte - nicht zu kindlich, nicht zu kitschig, nicht zu viel Details. Und dann ist es doch geschehen - bei H&M, für 9 Euro (ich liebe Sales!), aus organischer Baumwolle - besser geht es nicht!

Ich kaufte mir noch je 20 cm von beigem Chiffon und schwarzem Netzstoff, plus eine kleine Packung Perlen. Bei ZARA fand ich einen hübschen Federkragen, der meinem DIY-Projekt gern 2 Feder geopfert hat.





Den Stoff habe ich direkt auf dem T-Shirt drapiert, ohne anzunähen. Erst fertigte ich so etwas wie eine "Bluse" und einen "Rock". So sieht der Gürtel des "Rocks" aus:



Sobald alle Teile des "Outfits" fertig waren, habe ich sie an den strategisch wichtigen Stellen an dem T-Shirt befestigt. Die "Bluse" wird auch mit der "Kette" festgehalten.



So ist alles also nur an ein paar Stellen angenäht - wenn ich das T-Shirt waschen muss, dann brauche ich nur diese "Punkte" abzutrennen und das gesamte "Outfit" wird nicht auseinandergehen.

So sieht das fertige T-Shirt aus:



Und damit alles so lanvinesque wie möglich ist, habe ich das gleich mit der Harempants angezogen - Monsieur Elbaz mag solche Hose gern. Why not?



Am Endeffekt kann ich nicht sagen, dass mein Verhältnis zu den T-Shirts sich geändert hat. Aber die Fixidee mir ein teueres Original zu kaufen bin ich dann doch losgeworden. Und es ist doch sehr vernünftig, oder?